Matthias Conrad im Fellbacher Stadtanzeiger vom 18.09.2026
Früher hat uns der Lehrer in der Schule genervt, wenn bei einer Textaufgabe nicht klar formuliert wurde, was gesucht worden ist. Selbst wenn die Aufgabe richtig gelöst wurde, gab es Punktabzug.
Diese Tugend vermisse ich heute in der Politik bei vielen Entscheidungen.
Das Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist ein gutes Beispiel für den Mangel an Textverständnis, wie es unlängst auch die Pisa Studie verdeutlicht hat. Zurzeit ist die Versorgung mit Krankenhäusern, Ärzten und Apotheken noch ausreichend, leider werden aber bereits jetzt Patienten im ambulanten Bereich nicht angenommen.
Auf uns alle kommen höhere Kosten in Form von Zuzahlungen und reduzierten Leistungen zu. Gleichzeitig wird im ambulanten Bereich die Versorgung von Patienten durch Abschläge erschwert. Wer viel behandelt, bekommt ab einem Schwellenwert weniger Geld. Das erhöht nicht die Bereitschaft mehr Patienten aufzunehmen. In der Folge werden die Notaufnahmen der Krankenhäuser regelmäßig mit Patienten geflutet.
Es bleibt zu hoffen, dass die Versorgung in Fellbach weiter stabil bleibt. Die niedergelassenen Kollegen und Kolleginnen weiter einen Nachfolger finden. Die Rathausspitze in Fellbach gibt sich große Mühe und vermittelt und unterstützt wo sie nur kann. Politisch hoffe ich auf eine ehrliche Analyse der Einnahme / Kosten im Gesundheitssystem, das Gesetz wird kurzfristig Entlastung schaffen. Die strukturellen Probleme und die unangenehmen Wahrheiten beseitigt es nicht.

